
Fotoshooting am Gosausee: der Dachstein-Spiegel und die besten Stunden am See
Der Gosausee ist einer der ganz wenigen großen Alpenblicke Österreichs, für den man überhaupt nicht gehen muss — und zugleich einer der kurzlebigsten. Der Vordere Gosausee liegt auf 933 Metern am Talschluss des Gosautals, und an einem windstillen Morgen stehen der Dachstein, der Gletscher unter seinem Gipfel und die grauen Türme des Gosaukamms ein zweites Mal im Wasser. Der Parkplatz liegt am Nordufer, das Motiv ist dreißig Sekunden vom Auto entfernt. Dann setzt der Talwind ein, meist im späten Vormittag, die Oberfläche bricht, und Sie haben zwar noch den Berg, aber nicht mehr sein Spiegelbild. Alles Weitere hier dreht sich darum, vorher da zu sein.
Der Vordere Gosausee: die Spiegelung ist eine Morgensache
Zwei Dinge laufen hier gegen die Uhr, und sie ziehen in verschiedene Richtungen. Die Spiegelung will Windstille, also die frühesten Stunden. Das Licht will, dass die Sonne über den Gosaukamm an der Westwand steigt, und das dauert, weil der See tief zwischen zwei Kämmen liegt — das erste brauchbare Licht kommt also flach, warm und von hinten statt von oben.
Genau deshalb fotografiert man den Vorderen Gosausee am Vormittag und nicht zum Sonnenaufgang. Der Sonnenaufgang ist hier blauer Schatten. Vierzig Minuten später liegt Licht auf dem Dachstein, während das Wasser noch Glas ist. Schauen Sie dabei ans andere Seeende: Das Licht trifft zuerst den Gletscher und arbeitet sich die Wand hinunter.
Wo Sie am Nordufer stehen
Die klassische Position ist das Ufer genau dort, wo der Weg den Parkplatz verlässt: der See läuft von Ihnen weg, der Dachstein schließt das Bild hinten. Gehen Sie zehn Meter zur Seite, und Sie bekommen Uferfelsen und niedrige Lärchen in den unteren Bildrand — das verhindert, dass die Aufnahme eine Ansichtskarte mit zwei hineinkopierten Menschen wird.
Sobald sich auch nur Kräusel zeigen, arbeiten Sie näher am Ufer. Ein Meter stilles Wasser vor der Kamera spiegelt besser als fünfzig Meter bewegter See dahinter. Halten Sie die Gruppe klein und tief: Hier arbeitet der Berg, und ein Paar am Wasser darf ruhig klein wirken.
Die Runde in einer Stunde
Ein flacher Weg umrundet das Wasser in etwa einer Stunde und hält den Dachstein die ganze Zeit auf einer Seite. Er ist der zweite Akt, sobald der Spiegel weg ist: Das Westufer fällt in den Schatten, während die Ostseite noch Licht hat, das Ende unter dem Gletscher ist der stillste Abschnitt, und Kiesbuchten am Weg geben durchgehend Vordergrund.
Behandeln Sie die ersten zwei Stunden als die Session und die Runde als Zugabe. So ehrlich ist die Reihenfolge an diesem See.
Der Gosaukamm: die harte Kante in einer weichen Landschaft
Der Gosaukamm schließt das Tal im Westen — eine gezackte Reihe heller Kalktürme, die rund zehn Kilometer vom See nach Süden zur Bischofsmütze zieht. Er ist der Grund, warum Bilder aus Gosau mit dem übrigen Salzkammergut nichts gemein haben, wo sonst alles rund und grün ist.
Der Fels schaut nach Osten, bekommt also am Vormittag direkte Sonne und wird in der letzten halben Stunde des Tages blassgolden, wenn der Talboden längst im Schatten liegt. Wolken sind hier kein Problem, sondern oft besser als klares Wetter: Ein Turm, der aus ziehendem Nebel auftaucht, ist stärker als ein Turm, der immer da war.
Man muss nichts besteigen, um den Kamm zu nutzen. Vom Seeufer füllt er die rechte Bildhälfte, von der Zwieselalm gegenüber sehen Sie die ganze Linie im Profil. Die Steige direkt unter den Türmen sind alpines Gelände und verlangen festes Schuhwerk und einen Wettercheck — das ist ein eigener Tag, kein Fotoshooting.
Hinein ins Tal: Gosaulacke und Hinterer Gosausee
Hinter dem ersten See geht das Tal weiter, und ein breiter Schotterweg folgt ihm. Die Gosaulacke, ein flacher, buchtgrüner See mit abgestorbenen Bäumen darin, kommt nach etwa einer Stunde; der Hintere Gosausee auf 1.154 Metern, direkt unter dem Eis, nach rund anderthalb. Der Weg ist einfach und fast eben, und der Andrang dünnt mit jedem Kilometer aus, weil die meisten am vorderen See umkehren.
Das obere Tal dreht das Licht um. Es liegt den halben Vormittag im Schatten und bekommt die Sonne über Mittag — genau dann, wenn der vordere See nicht mehr funktioniert. Die beiden sind also eine Abfolge, keine Entscheidung: zuerst die Spiegelung, dann hineingehen.
Rechnen Sie drei Stunden hin und zurück und nehmen Sie Wasser mit — hinter dem ersten See gibt es keine Versorgung. Im Sommer fährt auf einem Teil der Strecke ein Pferdefuhrwerk; prüfen Sie vorher, ob es unterwegs ist. Ab etwa November ist das obere Tal eine Ski- und Schneeschuhroute statt eines Spaziergangs.
Die Zwieselalm und die Gosaukammbahn
Die Gosaukammbahn führt vom Talboden auf die Zwieselalm, eine breite Schulter aus Weide und Latschen auf rund 1.475 Metern. Sie ist der eine Ort, der Ihnen den Gosaukamm von Anfang bis Ende zeigt statt als Wand daneben, und das Gelände oben ist offen und wellig: nichts zu besteigen, Platz zum Gehen, Horizont in jede Richtung.
Der Blick geht nach Westen, der Kamm bekommt also den Nachmittag, und die letzte Stunde vor Sonnenuntergang ist die beste des Tages. Am Vormittag stehen die Türme im Gegenlicht — ein anderes Bild, und ein völlig brauchbares.
Die Bahn fährt im Sommer für Wanderer und im Winter als Teil des Skigebiets Dachstein West, dazwischen steht sie still. Termine und Betriebszeiten ändern sich von Jahr zu Jahr — prüfen Sie den aktuellen Fahrplan, bevor Sie ein Shooting darum herum bauen. Nehmen Sie eine Schicht mehr mit: Die Alm ist ausgesetzt und meist mehrere Grad kälter als das Tal.
Anfahrt
Der See liegt rund acht Kilometer taleinwärts von Gosau und etwa fünfundzwanzig Autominuten von Hallstatt, wo die meisten Gäste wohnen. Das Parken am See ist kostenpflichtig, und im Juli und August ist der Parkplatz am späten Vormittag voll — ein weiteres Argument für den frühen Start, den Sie ohnehin wollten.
Ohne Auto geht es auch, mit Planung. Busse fahren von Bad Ischl über Bad Goisern ins Gosautal und weiter Richtung See, für Hallstatt steigt man an der Abzweigung Gosaumühle um. Das Angebot ist dünn, und die letzten Busse zurück fahren am frühen Abend — prüfen Sie den aktuellen Fahrplan, bevor Sie eine späte Session fixieren.
Was die Jahreszeiten machen
Der Juni bringt Almrosen an die Hänge und langes Licht aufs Wasser. Der Oktober ist der stärkste Monat des Jahres: Die Lärchen werden golden, die Luft ist so klar wie nie, und der Andrang ist weg.
Ab Dezember liegt der See unter Schnee, der Kamm schwarz darüber, und das Skigebiet Dachstein West auf der Zwieselalm öffnet normalerweise um den Monatsanfang, wenn der Schnee es zulässt. Die Talstraße wird geräumt — prüfen Sie trotzdem die Verhältnisse und ob der obere Parkplatz offen ist. Der Gosauer Adventmarkt beim Freilichtmuseum ist klein und wirklich örtlich; die Termine wechseln jedes Jahr, also vorher nachsehen.
Ein Fotoshooting am Gosausee planen
Das Timing ist der ganze Plan. Treffpunkt am Parkplatz etwa eine Stunde nach dem ersten Licht, die Spiegelung fotografieren, solange sie hält, und dann auf die Runde oder ins Tal hinein wechseln, wenn der Wind den Spiegel nimmt. Sechzig Minuten decken das Nordufer und ein Stück Ufer ab; zwei Stunden reichen für die Runde oder den Weg Richtung Gosaulacke, ohne zu hetzen.
Für ein Elopement ist der Ort wie gemacht: um sieben Uhr früh keine Menschenmenge, kein Aufbau, und eine Kulisse, die nichts erklären muss. Nehmen Sie auch für den flachen Weg feste Schuhe mit und etwas Warmes — das Tal ist kalt, bevor die Sonne hereinkommt, auch im Juli.
Wenn die Session nach dem Licht geplant werden soll und nicht nach Ihrer Ankunft, buchen Sie jemanden, der das Gosautal regelmäßig arbeitet, und lassen Sie ihn die Stunde wählen. Shootings dauern 60, 120 oder 180 Minuten und kosten 279 €, 465 € und 649 € all-inclusive; Fotografen ansehen und online buchen.
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